Prolongation – das sollte man wissen

Im Bereich der Anschlussfinanzierung eines Hypothekendarlehens vernimmt man häufig den Begriff der Prolongation. In diesem Abschnitt wollen wir nun darauf eingehen, was es mit diesem Produkt auf sich hat. Wo liegt der Unterschied zur Umschuldung? Welche Gebühren und Kosten sind zu beachten? Ist dieses Produkt überhaupt zu empfehlen? Diese und noch viele weitere Fragen werden nun aufgearbeitet.

Was ist eine Prolongation?

Im Endeffekt ist der Sachverhalt sehr einfach und schnell dargelegt. Bei einer Prolongation handelt es sich um eine Verlängerung des Kreditvertrages mit der bisherigen Bank. Die Prolongation kommt häufig im Zusammenhang mit der Immobilienfinanzierung vor. Diese ist wiederum durch die Zinsbindung definiert. Nach 10 Jahren Zinsbindung hat der Kunde das Recht, eine Anschlussfinanzierung in Angriff zu nehmen. Neben vielen weiteren Möglichkeiten ist es natürlich ebenfalls eine Option, mit der bisherigen Bank weiterzuarbeiten. Wir gehen im Verlauf des Texts noch auf viele Informationen ein, welche die Vorteile und Nachteile darlegen.

Was ist der Unterschied zwischen Prolongation und Umschuldung?

Diese zwei Begrifflichkeiten dürfen nicht als komplett unterschiedlich betrachtet werden. Die Umschuldung ist als eine Art von Umstrukturierung eines oder mehrerer Kredite zu betrachten. Da kann eine Prolongation natürlich anschließen. Etwa dann, wenn der Kredit der Baufinanzierung nach Ablauf des Zinsbindungsfrist und der KFZ-Kredit zusammengelegt werden. Eine Umschuldung bedeutet übrigens auch nicht, dass das Kreditinstitut zu wechseln ist. Somit kann man diese zwei Begrifflichkeiten nicht klar voneinander trennen, sodass ein Resümee gezogen werden kann, was sich besser für die Anschlussfinanzierung eignet.

Wo liegen die Vorteile und Nachteile einer Prolongation?

Hier kommen wir nun zu einem sehr interessanten Bereich. Wird der Begriff Prolongation vernommen, spiegeln sich oftmals die negativen Eigenschaften wider. Wir wollen nun kurz die Vor- und Nachteile aufschlüsseln.

Prolongation Vorteile
Der Kunde bleibt bei seiner alten Bank. Das heißt, dass die Abläufe und die entsprechenden Personen bereits bekannt sind. Für einige Verbraucher ist ein gewohntes Umfeld sehr wichtig. Des Weiteren ergibt sich eine sehr schnelle und einfache Abwicklung des neuen Vertrages, so wird beispielsweise die Bonität nicht nochmals geprüft. Wer während des Erstkredits Probleme mit der Schufa bekommen sollte, dem bleibt ohnehin fast nur die Prolongation. Des Weiteren gibt es keine Änderungen im Grundbuch, was wir im Bereich der Gebühren nochmals kurz auffassen werden. Abschließend sei noch ein sehr entscheidender Vorteil genannt. Es sind zum Zeitpunkt der Prolongation außerplanmäßige Teilzahlungen möglich, ohne dass zusätzliche Gebühren entstehen.

Prolongation Nachteile
Leider muss auch gesagt werden, dass die Prolongation einige Nachteile beinhalten kann. Die Bank unterbreitet dem Kunden ein Angebot zu marktüblichen Konditionen bzw. Zinsen. Es werden sich garantiert einige Banken oder Kreditvermittler finden, die bessere Zinsen im Angebot haben. Somit fällt die Kostenersparnis in diesem Bereich weg. Außerdem wird kein gänzlich neuer Vertrag aufgesetzt, was natürlich die Flexibilität ein wenig einschränkt, jedoch nicht als gravierender Nachteil betrachtet werden muss.

Welche Kosten fallen an?

Wie in den Vorteilen bereits kurz angeschnitten, kommen wir hier zu einem klaren Pro für die Prolongation. Prinzipiell fallen keine Gebühren an. Bei einer Anschlussfinanzierung mit Bankenwechsel bzw. Anbieterwechsel muss die Grundschuldübertragung gezahlt werden. Das beinhaltet Kosten für Notar und Änderungen im Grundbuch. Es fallen also dezidiert keine Kosten für den Wechsel an.

Wie läuft eine Prolongation ab?

Der Ablauf ist relativ simpel. Der Kunde kann nach 10 Jahren Zinsbindung den Vertrag mit der alten Bank kündigen, unabhängig davon, ob eine Zinsbindung über 10, 15 oder 20 Jahre vereinbart wurde. Bleiben wir aber beim Beispiel einer 10-jährigen Bindung. Soll der Wechsel erfolgen, muss sechs Monate zuvor eine Kündigung verfasst werden. In diesem Zeitraum, spätesten jedoch 3 Monate vor Ablauf der Bindungsfrist, verfasst die Bank ein Angebot für die Anschlussfinanzierung im Sinne der Prolongation. Prinzipiell werden hier nur die Zinsen angepasst und eine neue Bindungsfrist erstellt, die restlichen vertraglichen Bedingungen bleiben gleich. Unterzeichnet der Kunde diesen Vertrag, gelten die Bedingungen nach Ablauf der Zinsbindungsfrist.

    Hier ein empfohlener Ablauf:
    Schritt 1: Bereits 12 Monate vor Ablauf mit der Bank verhandeln
    Schritt 2: Angebot der Bank abwarten (spätestens 3 Monate vor Ablauf der Frist)
    Schritt 3: Angebot annehmen
    Schritt 4: Neue Konditionen gelten nach Ablauf der Frist und es entstehen keine Kosten

Worauf sollte man bei einer Prolongation unbedingt achten?

Wie bereits öfter erwähnt, ist in den meisten Fällen eine Prolongation nicht die ideale Lösung. Das ist einfach zu erklären. Zum einen richtet sich die Bank mit ihren neuen Konditionen nach den marktüblichen Zinsen. Zum anderen werden Neukunden eher umgarnt als Bestandskunden, was auf den Verbraucher zutreffen würde, sofern er eine Anschlussfinanzierung bzw. Umschuldung bei einer fremden Bank vornimmt. Natürlich kann dies nicht verallgemeinert betrachtet werden. Beispielsweise lässt sich auch ein Forward-Darlehen bei der eigenen Bank im Sinne einer Prolongation abschließen. Läuft die Zinsbindung aktuell noch 60 Monate oder weniger, rentiert es sich, die momentan niedrigen Zinsen mit Hilfe von einem solchen Darlehen zu sichern. Für viele Verbraucher ist es ein klares Argument für die bisherige Bank, wenn sich das Umfeld nicht ändert und keine Wechselkosten entstehen.