Das Jahr 2016 ist fast Geschichte. Grund genug, einen kurzen Blick zurückzuwerfen: Wie haben sich die Bauzinsen 2016 entwickelt? Welche Ereignisse waren für Kreditnehmer wichtig? Ein Überblick über die Bauzinsen Entwicklung 2016 für verschiedene Laufzeiten und wichtige Events des Jahres wie z. B. Leitzinsänderungen, Brexit und Trump Präsidenten Wahl in den USA.

 

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Zunächst ein Blick auf die Entwicklung der Bauzinsen mit fünfjähriger Zinsbindung. Die durchschnittlichen Zinssätze (gemessen am FMH Index) sanken zu Beginn des Jahres zunächst deutlich von 1,20 % auf knapp über 1,00 %. Nach einer Konsolidierung im Frühjahr setzte im Sommer ein erneuter Abwärtstrend ein, der die Zinssätze bis auf 0,90 % drückte. Im Herbst begann dann ein signifikanter und recht steiler Zinsanstieg zurück über die Marke von 1,0 %.

Bauzinsen Entwicklung 2016

4 Screenshots: FMH Zinsgrafik (www.fmh.de)

Wie haben sich die Bauzinsen mit zehn Jahren Zinsbindung im abgelaufenen Jahr 2016 entwickelt? Der nachfolgende Chart zeigt die Entwicklung gemessen am FMH Index. Nach relativ hohen Zinssätzen von knapp 1,60 % sanken die Bauzinsen deutlich auf knapp über 1,00 % ab und zogen dann im Herbst wieder auf mehr als 1,35 % an. Die Skala ist klein und die absoluten Schwankungen der Bauzinsen waren im Jahr 2016 nicht allzu groß. Dennoch: Im ungünstigsten Fall mussten Kreditnehmer 0,56 % mehr zahlen als am günstigsten Tag.

Bauzins 2016

Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Hypothekenzinsen 2016 für Kredite mit 15 Jahren Zinsbindung. Die Spanne reicht hier immerhin von 1,45 % bis 2,08 %. Am Ende des Jahres lagen die Bauzinsen dieses Laufzeitbereichs knapp über dem Jahresdurchschnitt von 1,75 %, aber deutlich unter dem Niveau des Jahresbeginns.

Bauzinsen in 2016

Aufgrund des nach wie vor niedrigen Zinsniveaus sind langfristige Zinsbindungen für viele Kreditnehmer interessant. Die nachfolgende Grafik zeigt die Bauzinsen Entwicklung 2016 für 20 Jahre Zinsbindung – viele Kreditnehmer können ihre Darlehen in diesem Zeitraum vollständig tilgen. Die Spanne der Zinssätze laut FMH Index reichte von 1,71 % bis 2,36 %. Der Verlauf der Bauzinsen ähnelt dem in anderen Laufzeitbereichen, auch wenn die Konsolidierung im Frühjahr etwas schneller in einen weiteren Abwärtstrend überging. Zuletzt zeigte sich auch bei dieser Laufzeit ein deutlicher Anstieg der Zinsen, der auch unmittelbar vor dem Jahreswechsel nicht unterbrochen ist.

Entwicklung Bauzinsen

Bauzinsen Entwicklung und die Leitzinsänderungen in Europa / Welt

Die Leitzinsen stehen indirekt mit den Bauzinsen in Verbindung: Senkt eine Zentralbank den Leitzins, sinken meistens auch die Renditen am Anleihemarkt und für Pfandbriefe. Banken nutzen Anleihen und Pfandbriefe zur Refinanzierung, so dass sinkenden Zinsen dort sich in niedrigeren Bauzinsen im Privatkundengeschäft niederschlagen.

Euroland: Zinssenkung von 0,05 % auf 0,00 % am 10.03.16

Im Jahr 2016 gab es mehrere Änderungen der Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins am 10. März von 0,05 % auf 0,00 %. Die Zinssenkung hatte vor allem Symbolwirkung: Die EZB machte gegenüber den Marktteilnehmern klar, dass eine lockere Geldpolitika auch für die Zukunft auf der Tagesordnung steht.

Noch wichtiger als die Absenkung der Hauptrefinanzierungsfazilität (in den Medien meist unvollständig als „der“ Leitzins bezeichnet) war die Senkung der Einlagefazilität auf -0,40 %: Diesen Zinssatz müssen Banken für Geldanlagen bei der EZB zahlen. Das Ziel der EZB: Banken sollen Kredite vergeben anstatt Liquidität zu horten. Seit diesem Schritt sind Negativzinssätze vereinzelt auch im Privatkundengeschäft anzutreffen – bislang allerdings nicht im Zusammenhang mit Krediten.

UK: Leitzins von 0,50 % auf 0,25 % am 04.08.16

Die Bank of England senkte am 04. August den Leitzins für das Königreich von 0,50 % auf 0,25 %. Der Zinsschritt stand mit dem einige Wochen zuvor durch Referendum erklärten Austritt der Briten aus der EU im Zusammenhang. Die Zentralbank wollte mit der Zinssenkung die Märkte beruhigen und die Konjunktur präventiv stützen.

USA: Zinserhöhung von 0,13 % auf 0,38 % am 16.12.15, Erhöhung auf 0,63 % am 14.12.16
Die US Notenbank Federal Reserve hatte Ende 2015 den Leitzins von um 0,25 % auf (rechnerisch) 0,13 % angehoben und für 2016 mehrere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Erst am 14.12.2016 folgte dann tatsächlich eine weitere Leitzinserhöhung auf (rechnerisch) 0,63 %. Zur Erläuterung: Die „Fed“ gibt keine exakten Zinssätze, sondern Zinsspannen an. Die aktuelle Zinsspanne reicht von 0,50 % bis 0,75 %.

 

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EZB Anleiheprogramm beeinflusst die Bauzinsen

ezb-bank-leitzinsDas Anleihekaufprogramm der EZB war maßgeblich an der Entwicklung der Bauzinsen in 2016 beteiligt. Das Programm war im März 2015 angelaufen. Bislang wurden Anleihen im Wert von ca. 1.500 Mrd. EUR gekauft.

Im Dezember 2016 verkündete die EZB nun eine Verlängerung des ursprünglich bis März 2017 laufenden Programms um neun Monate. Pro Monat will die EZB 60 Mrd. EUR statt zuvor 80 Mrd. EUR aufwenden. Das Volumen des Gesamtprogramms steigt dadurch auf ca. 2,3 Billionen Euro.

Mittlerweile kommt es aufgrund des massiven Kaufdrucks sogar zu Engpässen. Ende Oktober berichtete die FAZ: „Den Markt für Bankanleihen, die mit Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegt sind, hat die EZB mittlerweile leer gekauft“.

Der EUR/USD Wechselkurs und die Bauzinsen

Hat der EUR/USD Wechselkurs Einfluss auf die Bauzinsen? Einige Beobachter argumentieren, dass ein deutlich sinkender Wechselkurs des Euro die EZB zu einer Straffung ihrer Geldpolitik zwingen könnte. Träfe diese Einschätzung zu, wäre das Risiko für steigenden Hypothekenzinsen aus der Perspektive von Kreditnehmern im Jahresverlauf gewachsen: Der EUR notiert derzeit so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Dollarkurs

Aber: Gegner einer Euro-Abwertung dürften im Europa der Gegenwart schwer zu finden sein. Der schwache Wechselkurs könnte neben den deutschen Exporten auch die Ausfuhren jener Länder begünstigen, die seit je her unter einem zu starken Euro leiden. Allen voran stehen hier mit Italien und Frankreich zwei Schwergewichte der EU, in denen 2017 wichtige Wahlen stattfinden. Der schwache Wechselkurs dürfte für die EZB deshalb zunächst kein Grund für einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik sein.

Donald Trump ist US-Präsident und Briten wählen den Brexit

Das ereignisreiche politische Jahr wurde von zwei Entwicklungen ganz besonders geprägt: Die Briten erklärten ihren Austritt aus der EU und Donald Trump wurde zum Präsidenten der USA gewählt. Die Entscheidung der Briten hat sich bislang nicht auf die Zinsentwicklung ausgewirkt. Die Wahl Trumps hat – gemessen z. B. am Bund Future – zu einem moderaten Anstieg der Anleihezinsen geführt. Ob dieser nachhaltig ist, bleibt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der EZB-Geldpolitik aber fraglich.

 

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Fazit zur Bauzinsen Entwicklung 2016

Die Bauzinsen liegen am Ende des Jahres 2016 etwas niedriger als zum Jahresbeginn, haben sich aber vom Tief im Spätsommer und Frühherbst wieder deutlich entfernt. Kreditnehmer können auch über lange Zeiträume weiterhin sehr günstig Immobilien finanzieren. Vieles spricht dafür, dass dies auch so bleibt – wenngleich die Unsicherheiten gewachsen sind. Die Unsicherheiten resultieren vor allem aus den Entwicklungen in der Geld- und Fiskalpolitik der USA, die sich zunehmend von jener diesseits des Atlantiks abzukoppeln scheint.

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